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Seminar für Großeltern

Ihre Tochter oder Schwiegertochter erwartet ein Kind und viele zukünftige Großeltern würden gern helfen. Besonders in der Zeit des Wochenbettes können Hilfe und Unterstützung aus der Familie gut tun. Nur welche Hilfe ist sinnvoll und in welchem Maße? Ilse Hörwick, Mitbegründerin und Hebamme des Geburtshauses Hamburg erleichtert den Start in die Großeltern-Rolle mit Informationen und Handwerkszeug aus der Babypflege und Wochenbettbetreuung.

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Erfahrungsbericht

Eine neue Rolle

IMG_2899Meine Hebamme heißt Ilse. Ich sitze mit drei anderen – zwei Frauen, ein Mann – im Geburtsvorbereitungskurs. Wir erwarten demnächst Nachwuchs und es wird deswegen höchste Zeit, dass wir uns sachkundig machen. Wir können wählen: Auf einem Ball sitzen oder auf einem Stuhl. Ich entscheide mich für den Stuhl und lege meine Beine auf den Ball.

 

Der Raum, in dem der Kurs stattfindet, ist gelb und grün gestrichen und große, quadratische, schwarz-weiß Babybilder hängen an den Wänden. Am Anfang steht Entspannung: Augen schließen, Ein- und Ausatmen. Dann bittet uns Ilse, eine gedankliche Zeitreise zu machen. Wie fühlten wir uns in dem Moment, in dem wir es erfahren haben? Und in was für eine Familie wurden wir eigentlich damals hineingeboren? Dann bittet uns Ilse, an den Moment zu denken, wo wir selbst Eltern wurden. Welche Gefühle hatten wir? Es sind überwältigende Erinnerungen.

Wir vier sind werdende Großeltern und dieser Kurs ist speziell für uns gemacht – der wohl Einzige seiner Art in Hamburg. Er findet im Geburtshaus in Altona statt, das ich von seiner Geburtstagsfeier zum 20. Bestehen im letzten Jahr her kenne. Es wird von Hebammen geleitet.

In den ersten beiden Stunden geht es um das Verhältnis der damaligen mit der heutigen Zeit. Wir reden über unsere Eltern, unsere Kinder, unsere Geschwisterkonstellation. Wie hat sich das Verhältnis zu unseren Töchtern verändert, seit sie schwanger sind? Wie erlebten wir unsere Mütter und Schwiegermütter, als wir schwanger waren?

Ilse erzählt, wie sie werdende Eltern heute wahrnimmt: Sie wollen in allem perfekt sein, vor allem die Frauen: Perfekte Mütter, perfekt im Beruf, perfekte Partnerschaft.

Der Unterschied zu früher: Unsere Generation habe sich noch den Status des „Eltern-Lehrlings“ gegönnt: Mal sehen, wie das wird mit dem Kind. Wir wachsen damit. Heute seien die Kinderzimmer fix und fertig eingerichtet, lange bevor das Baby auf die Welt kommt.

„Ich würde den Heute Schwangeren manchmal gern ein ,Bitte nicht stören’ hiervor setzen“, sagt Ilse und zeigt auf ihren Bauch.  Ultraschall sei der Hit und in manchen Frauenarztpraxen ständen sogar Beamer, die den Fötus riesengroß an die Wand werfen würden. Dass das Geschlecht heute früh bekannt sei, wäre üblich. Der Druck auf die werdenden Eltern sei immens, ein schönes und gesundes Baby auf die Welt zu bringen. Die heutigen Untersuchungen machen es möglich. Und das, obwohl die Gesellschaft Inklusion ganz groß schreibe.

Ilse sagt, unsere Rolle als Großeltern sei deswegen wichtig: Wir können den jungen Eltern Gelassenheit geben. “Und lobt viel, sie haben es verdient!”

Im zweiten Teil des Seminares wird es praktisch. „Ich hole noch einen Teilnehmer dazu“, sagt Ilse und verschwindet. Als sie wiederkommt, trägt sie einen Säugling im Arm. Er hat Neugeborenenkleidung an, ein Mützchen auf dem Kopf. Sie übergibt mir die Babypuppe, ich übernehme sie mit erfahrenem Griff und setze sie auf mein Bein. „In dem Alter sollen sie noch nicht sitzen“, mahnt Ilse und ich nehme sie erschrocken hoch und wiege das Kindchen tröstend. “Wie groß und wie schwer ist die Puppe denn genau?“, will ich wissen. „50 Zentimeter und 3.600 Gramm“, sagt Ilse. Ich bin baff. Ich hätte sie schwerer und größer geschätzt. Auch die anderen drei bekommen „Kind“, wie Ilse die Puppe nennt, in den Arm. Ich sehe sofort, dass auch sie erfahrene Eltern sind. Diese Griffe verlernt man nicht.

Wir reden über die neuesten Erkenntnisse beim Impfen, über den Plötzlichen Kindstod, die ersten vier Wochen nach der Geburt, das Stillen. Dass Muttermilch dafür geeignet ist, einen wunden Po zu versorgen, finden wir toll.

Die nächste praktische Übung: Tragetücher binden und Baby reinsetzen. Drei weitere Puppen erweitern unseren Kurs. Wir wickeln und knoten. Als die Puppen richtig an uns sitzen und noch genug Luft zum Atmen haben, wandeln wir durch das Geburtshaus und schauen uns die Räume an. Die große Badewanne. Das gemütliche Bett. Schließlich baden wir unsere Babys noch als Trockenübung in einer kleinen Wanne, die wie ein Putzeimer aussieht. Der Vorteil dieses Formats sei, sagt Ilse: Der Säugling fühle sich in der Enge geborgener und an den Mutterleib erinnert als er dies einer üblichen Babywanne tun würde. Trotzdem soll er nicht öfter als ein-, zweimal die Woche gebadet werden.

An Ratschlägen mangelt es während der vier Stunden natürlich nicht: Lasst Eure Kinder in Ruhe Eltern werden – und sein. Bietet Euch an, aber setzt auch Grenzen. Besprecht offen, was Ihr leisten sollt und was nicht. Haltet Euch mit Überraschungsgeschenken zurück, denn sie sind oft nicht erwünscht, Geld ist besser.

Als es 14 Uhr ist, kommt eine SMS meiner Tochter. “Wie ist das Seminar?”, fragt sie. Ich schicke nur ein Bild zurück, das mich mit der Puppe zeigt. Das erzähle ich Dir später, denke ich mir. Gelassenheit …

http://blog.kerstenartus.info/eine-neue-rolle


Workshop-
4 Stunden an einem Samstag
55.- € pro Person

Termine

28.10.2017
G 3
Samstag, 10.00 - 14.00 Uhr

Kontakt: Geburtshaus Hamburg

09.12.2017
G 4
Samstag, 10.00 - 14.00 Uhr

Kontakt: Geburtshaus Hamburg